Herumirren – 1698 – 1780

Ich irrte herum, ziellos, vielleicht orientierungslos, aber nicht genug als dass London wie durch Zufall meiner Wege kreuzte. Ich mied es, beschämt und voller Hilfslosigkeit darüber, wie ich es ihnen klar machen konnte, dass es nicht meine Absicht gewesen war. Sie hätten kein Wort verstanden, nicht einmal wahrgenommen hätten sie mich. Und ich verstand noch nicht, dass sie gar nicht von mir wussten. Denn ich sah sie zwar als Menschen an, sie mich aber nicht als Lebewesen. Ich war nur das Feuer und Feuer war schwer zu kontrollieren.

Feuer war nie leicht zu kontrollieren. Auch nicht jenes lebloses, das von Menschenhand entfacht wurde. Dieses leblose Feuer war nur ein Abklatsch unserer selbst und zu manchen Zeiten erkannte ich die Huldigung von uns Feuerwesen darin, nur vielmehr indirekt, denn bewusst, da unsere Existenz immer noch eine große Unbekannte zu sein schien.

Die folgenden Jahre lernte ich vor allem die Slums, den Dreck der Gesellschaft kennen. Ich schenkte den Armen Wärme, das bisschen, dass sie sich zu leisten vermochten und empfand eine Form von Freude dabei, wenn ich sie beobachtete, wie sie sich in meinem hellen Schein aufhielten und entspannten. Vielleicht war diese Zeit eine Strafe an mich selbst, auch wenn ich dies selbstverständlich nur vermuten kann, da ich damals den Begriff von Strafe genauso wenig kannte.

Die ersten 70 Jahre schienen eine neuerliche Zeit der Beobachtung zu sein, ich zog dahin, brannte unentwegt und beobachtete. Ich sah Familien heranreifen und Menschen älter werden, Katzen ihre Streife durch die Stadt ziehen und Hunden wie wild kläffen. Ich versuchte weiterhin Kontakt zu knüpfen, aber es schien vergeblich, bis ich auf dieses eine Kind traf, das im tiefsten Winter verloren und hilflos am Wegesrand in einer kleinen Gasse stand und kleine Hölzer verkauft, die ich später als Schwefelhölzer oder auch Streichhölzer bezeichnen würde.

Es war barfuß und hustete die meiste Zeit ganz erbärmlich. Keiner wollte von den Hölzern kaufen, stattdessen wurde sie fortgescheucht und beleidigt. Sie wirkt so unwillkommen und ungeliebt. Ich beobachtete sie eine Weile durch ein Fenster in einer Kerze ruhend und fragte mich, warum die Leute keine Zeit hatten, mal innezuhalten und sich das junge Mädchen näher anzuschauen. So einiges an Zeit verstrich, bis sie sich schließlich am Abend in eine Häuserecke setzte und dort begann sich am Schein der Schwefelhölzer zu wärmen.

Emsig entzündete sie ein Holz nach dem anderen und irgendwann, ich weiß nicht wie viel Zeit vergangen war, da diese für mich keine Bedeutung hatte, begab ich mich in die Flamme eines dieser Hölzer und strengte mich an, ihr so viel Wärme wie möglich zu spenden.

Es war ein helles Licht, viel heller als die Hölzer davor und verwundert sah sie mich an, begann zu lächeln. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sie mich sah und mich wahrnahm, das erste Mal in meinem Leben. Die Worte, die sie flüsterte, die verstand ich nicht, aber ich sah es als Zustimmung und fuhr fort ihr so Holz um Holz zu erwärmen. Dann kam der Zeitpunkt, wo sie das letzte Holz aus der Schachtel zog und es feierlich entzündete. Auf ihrem Gesicht lag ein überaus friedlicher Ausdruck. Ich verstand augenblicklich und aus dem Bauch heraus, dass unsere Bekanntschaft hier endete. Nach dem das Hölzchen sich seinem Ende näherte, zog ich mich zurück und sah sie friedlich einschlafen. Später sah ich sie nie wieder, auch wenn man dazu sagen musste, dass ich das Prinzip von Tod und Leben zu der damaligen Zeit freilich noch nicht kannte und mir aus diesem Grunde auch erst viele Jahre später bewusst wurde, dass sie Dank der von mir gespendeten Wärme nicht nur friedlich einschlafen konnte, sondern auch friedlich gestorben war.

Eine Sache nahm ich davon mit, dass Feuer auch Gutes bewirken konnte und so zog ich deutlich besseren Gemüts noch eine Weile durch die Armenviertel des Landes.

Erste Skype-Kreationen

  • Trennschärfe – wenn man jemand besonders nett eine gute Nacht wünschen möchte
  • Schokotod – die wohl passendste Bezeichnung für eine unglaublich leckere Schokoladen-Erdbeertorte
  • Gewöhnungsziel – wenn der Begriff Gewohnheitstier nicht mehr ausreicht, da das Verhalten sich mit großer Wahrscheinlichkeit in der Zukunft nur verstärken wird
  • Unterstellen wir jetzt an? – Das ist, wenn … man jemandem unterstellt, dass er eine großartige Idee haben könnte, was man jetzt unternehmen könnte
  • Schokoladenromanze – wird genutzt, wenn einem die Beschreibung ‚von Schokolade ummantelt‘ noch nicht ausreichend genug erscheint
  • Forscher – wenn Froschterrarium einfach zu lang ist
  • bricht’s ihm aus – wenn man jemandem etwas so überschwänglich ausrichtet, dass man ihm dabei fast etwas bricht …
  • Suppe – wenn man etwas bestimmtes supi findet, aufgrund dessen, dass es die Angelegenheit besonders einfach macht oder schmackhaft

Palace of Whitehall

Palace of Whitehall – 1698 n. C.

Ich war jung, unerfahren, würde man heutzutage sagen, doch Avatare standen über jugendlicher Naivität, darum hatte ich den Menschen immer beneidet, dass er lernen und Fehler machen durfte, ohne direkt ein Bewusstsein davon zu haben, was richtig und falsch war. Doch für unser eins war alles richtig, nichts falsch, dennoch empfand ich so etwas wie Reue an jenem Tag, an dem ich das erste Chaos verursachte.

Der 4. Januar, ein ruhiger Monat, ein noch ruhigerer Tag nach den Feiern zum Jahreswechsel, dem Wasser verbunden, kalt und existenzlos, sogar uninteressant für das Feuer. Ich sehe es wie durch einen Schleier, verschwommen und unscharf, waren es doch die Farben und Formen, die ich im Begriff war zu verstehen, die mich in einen Kamin inmitten des Palace of Whitehall gezogen hatte, nur um meine Umgebung zu betrachten, denn dieses war es, was ich die meiste Zeit über tat. Still zusehen wie sich alles um mich herum änderte, in einem steten Fluss der Veränderung. Wenn ich heute darüber nachdenke, dann hatte ich ihn bereits wahrgenommen, bevor ich inmitten der Flamme einer Fackel hineingetragen wurde, in das imposante Gebäude. Dann von Feuerschein zu Feuerschein wanderte, genau in seinen Kamin und wenn ich doch auch einen anderen hätte haben können, in Streit mit ihm darüber geriet, wer hier verweilen durfte. So neugierig das Feuer war, so streitlustig konnte es sein und in meiner Wut schürte ich ein Feuer, dessen Ausmaß ich weder überblicken noch kontrollieren konnte und … In meiner Scham fast den gesamten Palast abbrannte. Erfüllt von seinem freudigen Lachen, diesem hell auf begeisterten, heiteren Lachen eines Feueravatars, der sich in seinem Element befand, welches mich über Jahre hinweg begleitete und daran erinnerte, was ich getan hatte, rannte ich davon, weit weg, weiter noch als ich je gekommen war. In einer brennenden Mülltonne begriff ich dann nach und nach, was da geschehen war.

Es leerte mich wie vergänglich Schönheit war und wie gefährlich meine eigene Natur, denn ich hatte hilflos dabei zugesehen, wie die Wesen, an deren Lebendigkeit ich mich die letzten Jahre erfreut hatte, langsam zugrunde gingen und in ihren lauten, schmerzerfüllten Schreien etwas in mir erweckten, dass ich heute wohl ein Gewissen nennen würde.

Gut, dass ich den Begriff Mörder damals noch nicht kannte, denn sonst hätte ich mich in die Fluten des Meeres gestürzt, auf ewig verloren.

Die große Kälte

Die große Kälte – 1683 – 1698 n. C.

„Die Kleine Eiszeit war eine Periode relativ kühlen Klimas von Anfang des 15. bis in das 19. Jahrhundert hinein. Sie gilt in der heutigen Klimadiskussion als das klassische Beispiel einer durch kurzfristige Schwankungen geprägten natürlichen Klimavariation. Doch auch während der Kleinen Eiszeit gab es erhebliche Klimaschwankungen. So stellen zum Beispiel die Zeiträume von 1570 bis 1630 und von 1675 bis 1715 besonders kalte Zeitabschnitte dar.“

(zitiert und überarbeitet aus: [URL= http://de.wikipedia.org/wiki/Kleine_Eiszeit]Wikipedia – Kleine Eiszeit[/URL])

So und nicht anders fand ich Jahre später eine Zeit niedergeschrieben, die für uns Feuerwesen weniger erfreulich war. Doch eigentlich konnte ich nur für mich sprechen, denn bislang hatte ich noch keine anderen meiner Art kennengelernt. Es war trotzdem eine Zeit, die irgendwie ihren Reiz hatte. Oft war ich Zeuge von Schneeballschlachten, wenn denn mal Schnee lag, die kleineren Ausgaben dieser Wesen, welche ich so gerne beobachtete, besaßen besonders viel Spaß daran.

Wir schrieben das Jahr 1683 n. C. Es war einer dieser besonders kalten Winter, in denen sich auf der Themse eine besonders dicke Eisschicht bildete und die Menschen hinaus lockte. Es war der längste „Frostjahrmarkt“, den ich jemals sah. John Evelyn, Autor und Architekt damaliger Zeit fand genau die Worte, die mir zum damaligen Zeitpunkt noch fehlten. Denn Worte waren für mich nur Bewegungen, den Klang aller Dinge hatte ich damals auch noch nicht gefunden.

“Coaches plied from Westminster to the Temple, and from several other stairs too and fro, as in the streets, sleds, sliding with skates, bull-baiting, horse and coach races, puppet plays and interludes, cooks, tippling and other lewd places, so that it seemed to be a bacchanalian triumph, or carnival on the water.”

(„Kutschen bahnten sich ihren Weg von Westminster zum Temple und von zahlreichen anderen Treppen hin und zurück, wie in den Straßen; Schlittenfahren, Eislaufen, Bullenhetzen, Pferde- und Kutschenrennen, Puppentheater und Zwischenspiele, Köche, Besäufnisse und andere lasterhafte Orte; es schien ein bacchanalischer Triumph zu sein, ein Karneval auf dem Wasser.“)

Ein Glühweinverkäufer machte einen besonders großen Profit und wenn ich heute daran denke, muss ich mit einem Schmunzeln feststellen, dass es wohl meine Anwesenheit in seinem Feuer war, die es vollbrachte, dass die Menschen sich besonders lange aufhielten. Ich habe immer noch diese Bilder vor Augen, wie sie nüchtern und ruhig ankamen, mal mit diesem Lächeln, selten auch voller ernst und dann tranken und tranken, immer heiterer wurden, lachten tanzten mit roten Backen … Es war eine schöne Zeit. Nachdem der Markt nach sechs Wochen endete, suchte ich mir den nächsten Herd, räsonierend was ich so erlebt hatte.

Die ersten Jahre

Die ersten Jahre – 1666-1683 n. C.

Die ersten Jahre waren für mich die außergewöhnlichsten. Es ist schwer die richtigen Worte zu finden, denn es war alles neu, die Eindrücke, Farben, Formen, Bewegungen, einfach alles war neu, sodass vieles verloren ging. Aber was für ein Gefühl es war … Das war das eindrücklichste. Ein Avatar kommt im vollen Bewusstsein über seine Existenz zur Welt. Er weiß um seine Fähigkeiten, seine Natur, das Spiel seines Elements, er weiß, wo er Schutz suchen muss, wo er Halt findet und das es noch andere auf der Welt gibt, die seit Stunden und manchmal sogar seit Jahrhunderten im Fluss der Zeit wandeln.

Dies ist das einzige, was sie in die Hand bekommen, ehe man sie allein lässt in den unendlichen Strömen, sich zu nähren, zu leben, ehe sie dann losgelassen werden zu tun, was sie auch immer tun wollen. Wir erleben keine Kindheit, wachsen nicht auf. Keine Schule nennen wir unser eigen oder eine Universität. Wir träumen nicht, essen nicht, erleben nicht die Liebe. Doch wir sind frei.

Ich hatte das Gefühl zu explodieren, deshalb tat ich es auch, aber gezähmt in einem Kamin von Wesen, die körperlich in einer Art Höhle lebten und dorthin scheinbar immer wieder zurückkehrten. Sie liebten das Feuer auf eine seltsame Art und Weise, nutzen es für vielerlei Dinge, von denen ich die wenigsten wirklich verstand. Es brauchte Jahre, bis ich in allem einen Sinn sah, ehe ich lernte ihre Sprache zu verstehen, ihre Bedürfnisse zu erkennen, Verhältnisse zu allem zu erkennen. Es war wirklich faszinierend und ohne es wirklich nachvollziehen zu können, fand ich es irgendwie schön. So würde ich es zumindest mit meinem heutigen Wissen definieren.

Fast zwanzig Jahre menschlicher Zeitrechnung, für einen Avatar bloß ein Augenzwinkern gleich, verbrachte ich in dem Kamin dieser Familie, sah ihre Verbundenheit und begann schon früh zu hinterfragen, was ihren Zusammenhalt prägte und mich zu fragen, was es für mich bedeutete. Für uns Avatare existierte keine Familie, jegliche Struktur lag uns fern. Doch ehe ich diesen Atemhauch wirklich verstand, zog ich weiter. Neugierde trieb mich fort von hier. Die Neugierde, die das Feuer mit sich brachte. Lichterloh, die Luft, die Erde, die Welt ertastend, weiter und weiter, ohne Angst vor dem Erlöschen.

Geburt

Alles im Universum hat einen Anfang und ein Ende, es gibt keine ewige, keine immerwährende Existenz, nur Entstehen und Vergehen im Kreislauf der Dinge. Heute geboren und Morgen schon Staub im Wind der Gezeiten. Ich weiß nicht mehr genau, wann es einen Anfang nahm, dass ich über derartige Dinge nachdachte, doch es war nicht immer so. Wesen wie ich denken nicht nach, wir leben nur im Glanz unserer Existenz, wie ein warmer Südwestwind im August, mit dem das Feuer meiner Geburt, das Zünglein einer Kerze zu entflammen brachte.

Alles nahm seinen Anfang mit einem warmen Südwestwind. 1660, im August eines überaus heißen, trockenen Sommers, fegte er stürmisch durch London und wurde von den Anwohnern als Pestbringer geächtet. Die Hitze war nicht das Problem, gehörte die erhöhte Feuergefahr doch bereits zu den alltäglichen Dingen des Lebens. Da Streichhölzer erst 1820 erfunden werden sollten, wurde Feuer zumeist mit glühenden Kohlen entfacht, die dann von Haus zu Haus transportiert wurden. Des Öfteren ließen die Bewohner Herdfeuer über Nacht weiterglimmen, um es nicht erneut entzünden zu müssen. Es war ein Sonntagmorgen, der perfekte Tag, als zwei Feueravatare in der Glut eines Bäckerofens schwelgten und beschlossen ein wenig Chaos zu stiften. Der große Brand von London war entfacht.

Als erster des Nachts, wurde der Bäcker Thomas Farynor, Besitzer einer Backstube in der Pudding Lane, nahe dem Themseufer, durch das Feuer geweckt und konnte mit seiner Familie fliehen, dagegen fiel seine Hausmagd als erstes zum ersten Opfer. Schnell sprang das Feuer auch zu den anderen Häusern über, den Avataren war es aufgrund der damaligen Bauweise ein Leichtes über die natürliche Grenze der Straßen und Gassen hinweg, ihren Weg fortzusetzen. Der starke Wind und die leicht entflammbaren Baumaterialien, derer wohl meist Holz waren, taten ihr Übriges dazu, dass sich die Feierwesen immer weiter ausbreiten konnten. Die Hölle auf Erden war ein wahres Freudenfest für die Wesen, deren Existenz weder jemand begriff, noch erfassen konnte.

Nur wenige Stunden bedurfte es, um fast alle Häuser der Pudding Lane zu zerstören. Auch ein Gasthaus, nahe der London Bridge, bekannt als das Star Inn, fiel den Flammen anheim und schnell griff das Feuer auf den nächsten Straßen über. Voller, schier unbegreifliche Freude, machten sich die Avatare über die Thames Street her, deren dortige Lagerhäusern, ein wahres Freudenfest an Nahrung boten. Rohstoffe wie Öl, Hanf, Flachs, Pech, Teer, Seile, Hopfen und Weinbrand … Allesamt verschlangen sie gierig und konnten sich so zu den angrenzenden Werften ausbreiten, in denen Holz und Kohle gelagert wurden. Sie wurden immer größer, viel zu groß und zum Leidwesen der Bevölkerung, begriffen die Avatare den Schrecken, den ihr Freudenfeuer verursachte, kaum.

Über die Löschversuche mit Wasser aus Ledereimern, lachten sie nur müde, schließlich bestanden die Wasserrohre damals auch noch aus Holz, die sich schon längst als undicht und unzuverlässig herauskristallisiert hatten. Auch diese fraßen sie in ihrem Wahn einfach auf, genauso wie Teile der Zuleitungen. Im Chaos des Großbrandes jedoch, wurden die Straßen von den Menschen munter aufgerissen, um an die Wasserleitungen zu gelangen, was den Wasserdruck selbstverständlich gen Null sinken ließ. Ein vernunftbegabter Brandstifter, hätte spätestens zu diesem Zeitpunkt dem Ganzen ein Ende bereitet, aber Feueravatare kannten keine Vernunft.

Die nächste Idee, wurde von Samuel Pepys, der das Feuer bereits in der Nacht beobachtet hatte, auf den Weg gebracht und so fuhr er am Sonntagvormittag zum Palast von Whitehall, um dort mit Karl II. zu sprechen. Glücklicherweise bekamen die beiden Brandstifter nicht mit, dass die Hofgesellschaft noch nicht vom Brand gehört hatte, es hätte sie womöglich nur so etwas wie Zorn empfinden lassen, da man ihnen nicht genug Beachtung schenkte. Pepys Idee war: die Sprengung von Häuserzeilen, da dies die einzige Möglichkeit sei, das Feuer aufzuhalten. So würden sie den beiden Feueravataren – natürlich wussten sie nicht um ihre Existenz – jedwede Nahrung mit einem Schlag entreißen.

Leider reicht es nicht,  Pepys eilte zum Bürgermeister, der in der in der Canning (Cannon) Street Löscharbeiten anführte. Leider folgte man seinen Anordnungen nicht. Die Hausbesitzer weigerten sich, ihre Häuser einreißen zu lassen und so mussten sie machtlos zusehen, wie das Feuer immer schneller von Haus zu Haus übersprang. Am Sonntagabend beobachtete Pepys „one entire arch of fire from this to the other side of the bridge, and in a bow up the hill, for an arch of above a mile long: it made me weep to see it.“ („ein einziger Bogen von Feuer von hier bis ans andere Ende der Brücke und in einem Bogen den Hügel hinauf, einen Bogen von mehr als einer Meile formend: der Anblick ließ mich weinen.“). Für die beiden Avatare gehörte dieser Moment zu einem der schönsten ihres Lebens. Dass dabei Menschen starben und sie großen Schaden verursachten, gehörte für sie zum Lauf der Dinge. Sie waren die Natur und würden es auch immer sein.

Am Montag folgte die Erkenntnis: Flucht war die einzige Möglichkeit und die Straßen waren zu gestopft mit Menschen und Wagen voller Habseligkeiten. Der Fluss schien voll mit Booten, während das Feuer Cornhill übersprang und das kommerzielle Zentrum Londons, die Royal Exchange, verschlang, wo sich der eine Avatar des Brandes mit dem anderen vereinigte, der östlich und südlich Vernichtung gestiftet hatte. Gemeinsam vernichteten sie im Anschluss Cheapside.

Dienstag war wohl der schlimmste Tag des Feuers, als die beiden Brandstifter die eingerüstete Saint Paul’s Cathedral einfach mal so vernichteten und zugleich die gelagerten Vorräte der Londoner Buchhändler in der St Faith’s Chapel … Es war fürchterlich, doch die beiden verstanden in den schmerzvollen Aufschreien der Bevölkerung nur pure Begeisterung für ihre Taten.

Im Westen gingen die Löscharbeiten ziemlich erfolglos vonstatten, der Wind arbeitete gegen sie und schuf für die Avatare eine wahrlich erfolgreiche Umgebung. Die vom Wind abgewandte Seite, hatte es allerdings besser, was die beiden ziemlich ärgerte. Mithilfe von Sprengungen rund um das Navy Office am Tower of London, machten sie den beiden einen Strich durch die Rechnung, welche sich bis heute darüber ärgern, dass der Tower gerettet wurde.

Viel zu spät eigentlich, zur Freude der beiden, als die Flammen auch noch den  Palast von Whitehall bedrohten, wurden die empfohlenen Sprengungen eingesetzt, was eine Bresche schlug und sie aufhielt, endgültig unter Kontrolle brachte. Endlich konnte das Feuer gelöscht werden. Bitter zogen sie erst einmal von dannen, man hatte ihr Spiel einfach so beendet.

Doch ward es wirklich gelöscht? Waren die Avataren nicht einfach nur weiter gezogen? Ruhend irgendwo in einem Kamin? Gar niemand würde es später erfahren, sie schlichen davon wie namenlose Geister, ohne Scham, ohne Reue … Spurlos und nicht ahnend, was ihr Tanzen verursacht hatte. Wirklich nicht ahnend oder viel eher desinteressiert?

Als der letzte Funken verglommen war und die Flammen erloschen, ihre Erschaffer schon längt über alle Berge, regte sich etwas in der Asche und letzten Glut. Ein Funken, gut versteckt, noch kraftlos, noch unbekannt in dieser Welt. Unwissend und gedankenlos, gerade erst die Existenz begreifend.

Es war ein Avatar, die einst Syél genannt werden würde, die Geliebte des Feuers, das Himmelsschwert …

Geboren in Flammen, körperlos und unbeschrieben wie ein weißes Blatt Papier. Unbefleckt und unwissend, kaum ihrer Existenz bewusst, allein, voller Fragen. Vielleicht hätte sie auch verängstigt sein müssen, wütend, dass sie so allein gelassen wurde, aber sie war es nicht. Sie fühlten nicht, sie dachten nicht, sie existierten nur und dass das junge Wesen sich an seine Vergangenheit so erinnerte, wie es sich  erinnerte, wurde ihm erst mit dem Menschsein bewusst, aber das würde noch viele Jahre dauern.

 

Es wurde ich.

Prolog

Alles ist eins und eins ist alles.

Der Himmel zeigt sich im strahlenden Blau. Wie kleine Lämmer an einem Sommertag, ziehen vereinzelnd kleinere Wölkchen vorbei, doch ansonsten ist alles blau, getüncht in diesem kristallklaren Azur, von dem ich weiß, dass es alles eigentlich nur der Nebeneffekt des einfallenden Lichtes der Sonne ist. Alles wissenschaftlich präzisiert. Im Gras liegend, sehe ich hinauf ans Firmament und spüre einen kleinen Tropfen Regen auf meine Nase niederfallen, ein Zweiter verliert sich auf meiner Stirn, ein Dritter benetzt meine Lippen. Dann prasseln auf einmal ganz viele auf mich herab und ehe ich es recht begreife, hat sich meiner ein sommerlicher Regen bemächtigt.

Ich springe auf, atemlos drehe ich mich im Kreise, jubelnd, lachend, jauchzend, bis unter mir vor Schwindel die Beine nachgeben und ich hinfalle, die Augen geschlossen, seufzend und glücklich. Die Sonne strahlt auf jene Regenwand hinab und jeder dieser Regentropfen bricht ihr Licht beim Ein- und Austritt, es reflektierend in der Rückwand und das zurückgeworfene Licht wird in einem Kegelmantel konzentriert. Minuten vergehen, bis ich die Augen öffne, mich aufrichten, die Sonne nun im Rücken und vor mir einen Regenbogen sehend. Dieses kreisbogenförmige farbige Lichtband aus den sieben Spektralfarben. Ich bin völlig gebannt.

Ein Regenbogen, eine so wunderliche Sache. Heute wissen wir ihn zu erklären, vor vielen Jahrzehnten jedoch, galt er als unerklärbares Phänomen, ein Wunder und manchmal auch war er auch Ursprung von Märchen. Zu Babylons Zeiten galt er als Zeichen kriegerischer Macht, für andere als Symbol eines Bundes und für weitere, findet sich an seinem Ende ein Topf voller Gold. Einzig wichtig jedoch ist, dass er Faszination auslöst und die Phantasie erweckt.

Von einer dieser Fabeleien möchte ich euch heute berichtet, doch bin ich mir bis heute nicht so sicher, ob sie wirklich Fabeln oder doch eher Tatsachen entspringt.

Schon zu Zeiten, als die Menschheit noch um einiges jünger, aber vor allem auch unerfahrener war, versuchte sie sich  mit den begrenzten Mitteln, die sie besaß, die Welt so gut wie es eben geht, zu erklären. Es gab Zeiträume, da galt ein Unwetter als Zorn Gottes, Krankheit als Strafe, der sichere Umgang mit Heilkräutern als Pakt mit dem Teufel. Man war sich über Dinge, die sich für uns als absolut selbstverständlich darstellten, vollkommen im Unklaren.

Häufig wurden die Elemente Feuer, Erde, Luft und Wasser in diesen Ideen thematisiert. Man beobachtete sie, definierte sie anhand ihrer Eigenschaften und schrieb ihnen sodann gewissen Grundgebiete zu, für deren Ursprung sie standen. Empedokles, ein Grieche, behauptete, dass sich die vier Elemente in alle Lebensvorgänge mischen  und mit ihrem ständigen Wechselspiel, das Rad des Lebens in Schwung halten würden, andere pickten sich ein Element  heraus und behandelten vor allem dieses.

Aristoteles spricht von einem Urstoff, der alle Formen als Möglichkeit in sich tragen würde. Wenn dieser von den ordnenden Kräften des Kosmos durchdrungen würde, würden sie in Erscheinung treten und sich in den vier elementaren Grundqualitäten manifestieren, die sich auch in verschiedenen Mischungen erkennen lassen würden. In diesem Zusammenhang, führt Aristoteles den Äther ein, welcher für das Nichtstoffliche, für den geistigen Ursprung stehe und die Verbindung zwischen allem Seienden herstelle.

Auch den Regenbogen erklärte sich auf diese Art und Weise. Das Feuer der Sonne sendet ihre Energie hinab auf die Erde, wo sie auf Regen trifft und durch die Transparenz seiner vielen einzelnen Tropfen in die sieben Spektralfarben zerlegt wird. Die luftige Atmosphäre stellt hierbei den Raum der Begegnung dar und die Erde den tragenden Körper, welcher die Begegnung erst ermöglicht.

Diese vier Gewalten galten für Jahrhunderte als der Grund für alles. Aber jetzt komme ich und sage: „Da habt ihr euch aber gewaltig geirrt!“

 

– Syél, Professorin für Mathematik und Quantenphysik, an die Studenten des Jahrgangs 2017, der Tag, an dem sie alles preisgab.

Schon mal was vom Rollenspiel gehört?

Das Rollenspiel

Schon seit fünf Jahren begleitet mich das Rollenspielen durch mein Leben, zumindest bewusst, gar beabsichtigt, Unbewusst haben wir diese Zeit alle bereits hinter uns gebracht, bauten nicht viele unserer Spiele aus Kindheitstagen darauf auf? Haben wir nicht immer versucht wie die Großen zu sein und uns dabei in ihre Rolle versetzt? Allgemein kann man jedenfalls feststellen, dass es für viele Menschen einen Reiz darstellt, andere Rollen anzunehmen und somit sich in andere Personen hineinzuversetzen. So genannte Rollenspiele begründen hiermit nicht nur wichtige Elemente des Aufwachsens, sondern bilden auch später vielfältige Möglichkeiten, um Dinge zu verstehen oder auch simpel und ergreifend einen Weg sich zu beschäftigen. Wie vielfältig dies sein kann, will ich euch in diesem Artikel zur Schau stellen.

Definition

In der Spielwissenschaft stellt das Rollenspiel eine Spielform dar, in welcher der Spieler in die Rolle von realen oder fiktiven Personen sowie Tieren oder auch Gegenständen schlüpft. Dabei kommen die verschiedensten Bereiche infrage, Personen die einem wichtig sind, die man als interessant empfindet oder zu denen man aufsieht, Wunschfiguren, Tiere, Autos, alles, was gerade von Bedeutung ist. Doch nicht nur die gewählten Charaktere stellen einen wichtigen Faktor dar, sondern auch das Setting. Man steckt sich einen Bereich – eine Welt – ab, bestimmt, was es dort gibt und was nicht und spielt dann innerhalb dieser Welt seine Rolle. Settings lassen sich zu allen bekannten Genres finden wie Fantasy, Reallife, History etc.

Rollenspielarten

Natürlich gibt es auch im Rollenspiel die verschiedensten Varianten. Grundsätzlich wird allerdings zwischen reglementieren und spontanen Rollenspielen unterschieden, auch wenn es durchaus Ausnahmen und auch Vermischungen beider Richtungen gibt.

Spontane, frei assoziierte Rollenspiele

Spontane Rollenspiele geschehen quasi in Echtzeit und aus der Situation heraus. Es wird gespielt, ohne vorher Absprachen zu treffen oder ein Regelwerk zu erstellen. Diese spontanen Rollenspiele werden demnach vor allem von Kindern praktiziert, die in der Gestalt das Rollenverhalten erlernen und auch experimentell soziale Strukturen verstehen lernen. Ganz klassisch gehören dazu Vater-Mutter-Kind spiele, Räuber und Gendarm, das Spielen mit Lego, Puppen, alles nur erdenkliche, was gerade im Interessensmittelpunkt liegt. Erwachsene finden sich in diesem Bereich eher weniger, meist nur in kurzen Phasen der Situationskomik im Alltag oder beim Liebesspiel, um den Partner zu erregen. Mit diesen Informationen könnte man es auch als Improvisationsrollenspiel bezeichnen. Hierbei wird ad hoc ein Thema aufgegriffen und da keinerlei Vorbereitungen zu treffen sind, kann diese Form des Rollenspieles prinzipiell in jeder nur erdenklichen Situation gespielt werden. Die Ausgestaltung spielt keine Rolle. Es existieren keinerlei Grenzen, außer jene, die von der eigenen Vorstellungskraft ausgehen.

Reglementierte Rollenspiele

Wie der Name bereits verdeutlicht, bedienen sich derartige Spiele bestimmter Spielmittel sowie fester, präziser Spielregeln, manchmal auch Spielplänen oder gar Drehbüchern und werden intentional von allen Teilnehmenden ausgeführt. Hier gibt es allerlei Varianten von Spielsystemen, unter anderem Brettspiele oder Pen-&-Paper-Rollenspiele, welche den Brettspielen ähneln. Darüber hinaus existieren noch Live-Rollenspiele (kurz: LARP – Live Acting Role Playing), bei denen von den Teilnehmern das Ganze selbst in entsprechender Kostümierung nachgespielt wird, aber auch wieder unter festen Regeln. Großer Beliebtheit erfreuen sich Computer Rollenspiele, bei denen der Spieler der Regel nach einen Charakter wählt, welcher sich im Laufe des Spieles weiterentwickelt, indem er stärker wird und neue Fertigkeiten erwirbt. Heutzutage tritt der Spieler häufig in Kontakt mit anderen Usern (Spielern dieses Computerspieles) und spielt mit oder gegen diese, Die Möglichkeiten sind mannigfaltig und im Prinzip kann jedes Genre als Hintergrund dienen, wobei am Häufigsten wohl der Fantasy-Bereich vertreten ist. Allerdings werden viele Genres vermischt. Fantasy ist zum Beispiel ein Bestandteil vieler anderer Genres. Beispielsweise Science Fiction, in deren fiktiven Welten die Naturgesetzte verletzt werden, Western, Horror, Steampunk oder Cyberpunk und Multiversen, in denen zahlreiche Genres vermischt nebeneinander Platz finden, aber außer einer leichten Vermischung, ihre Eigenständigkeit behalten. Letztlich lassen sich reglementierte Rollenspiele noch in der Art zu Spielen, den benutzten Darstellungsformen sowie Hilfsmittel unterscheiden.

Pen-&-Paper-Rollenspiele

Bei dieser Form des Rollenspieles, wird meist ein sehr umfangreiches Regelwerk verwendet, in dem mit Mathematik als auch Würfeln gearbeitet wird. Einer übernimmt das ‚Meistern‘ und damit verbunden die Rolle des Spielleiters. Seine Aufgabe besteht darin die Umgebung zu beschreiben, sowie die Reaktion der Umwelt auf die Handlungen der Spieler und besetzt die Rolle der Gegner, aber auch die Freunde der Gruppierung. Damit ist es aber noch nicht getan, denn er überlegt sich auch im Vorfeld Abenteuer, die von den Spielern bestritten werden müssen und achtet auf die Einhaltung aller Spielregeln. Konsequenzen und Entscheidungen, zum Beispiel über den Ausgang eines Kampfes, werden sowohl über die Eigenschaften der Kontrahenten, das heißt wie stark oder schnell sind sie im Vergleich zu dem Gegner als auch einem Würfelergebnis als das Zufallselement, herbeigeführt. Gang bekannt in dieser ‚Szene‘ ist DSA (Das Schwarze Auge), D&D (Dungeons & Dragons) oder auch Midgard, welches wohl das älteste ist.

Live-Rollenspiel

LARP bezeichnet eine Spielform, in welcher der Spieler eine Figur entsprechend kostümiert physisch darstellt. Es ähnelt mehr oder minder dem Improvisationstheater und unterliegt Regeln ähnlich dem P-&-P-Rollenspiel. Soweit die Möglichkeit besteht, finden dem Thema entsprechende Veranstaltungen an Orten statt, die zum Ambiente der Hintergrundgeschichte passen, sodass die Charaktere in ihren Gewandungen und ihren Waffen (aus Schaumstoff) möglichst realistisch herüberkommen. Viele dieser Treffen werden von nichtgewerblichen Vereinen oder auch Privatleuten organisiert, welche rund 50-200 Teilnehmer umfassen. Vor Spielbeginn wird ein Regelsystem entworfen, nach dem sich alle richten und Helfer übernehmen kleine festgeschriebene Rollen, die dem ganzen einen Rahmen geben. Ein definiertes Spielziel gibt es selten, da es um das Darstellen der Figuren geht, nicht um eine zu beendende Geschichte.

Computer-Rollenspiel

Als Basis diesen dienen zum Teil die Hintergründe der Pen-&-Paper-Rollenspiele, allerdings an die Möglichkeiten und Beschränkungen des Computers als Medium angepasst. Durch die Nutzung des Internets gibt es ungeahnte Möglichkeiten im Rollenspiel mit anderen, da teilweise Tausende daran teilnehmen und vor allem bei richtigen Spielen, hier MMORPG (Massively Multiplayer Online Role-Play Games) ganze virtuelle Welten mit selbstregulierenden Märkten oder Rohstoffen entstehen können. Andere Ansätze wären Chatrollenspiele, Forenrollenspiele, E-Mail-Rollenspiele etc. Im Groben versteht man unter Computer-Rollenspielen (CRPG – Computer Role-Play Game) ein Spiel in denen man die Steuerung über einen Charakter übernimmt und durchs Spielen Fertigkeiten verbessert sowie eine möglichst unbegrenzte Handlungsfreiheit besitzt.

Und wo bin ich dabei?

Ich könnte diesen Artikel wahrscheinlich noch eine ganze Weile weiter ausstaffieren, doch an dieser Stelle möchte ich mal einen Schnitt machen und darauf eingehen, wo man in all diesen Formen nun mich auffindet. Es wurde bereits erwähnt, so ganz am Rande. Ich spiele Forenrollenspiele. Grundsätzlich gleicht es dem üblichen Muster: Man schlüpft in die Rolle einer anderen Person, gar einer anderen Rasse und spielt diesen, ähnlich wie Schauspieler ihre Rolle darstellen. Treffpunkt ist ein Forum, welches sich als Rahmen ein Setting überlegt, mit festen Regeln, wer und was darin möglich ist. Den Charakter, wie man es im Forenrollenspiel nennt, beschreibt man vorher in einem Steckbrief und dazu schreibt man dessen Leben in einem Lebenslauf nieder. Das Äußere wird häufig mit einem Avatar – einem Bild – untermalt. Dieser Charakter ist angepasst an das Setting. Gibt es dort nur Elfen, wird er ein Elf sein. Dann kann es auch direkt losgehen. Das, was andere einem Schauspieler gleich darstellen, schreibt man nun im Forum zusammen mit anderen innerhalb der Rolle des Charakteres. Man beschreibt wie er fühlt, was er sagt und denkt, umschreibt seine Handlungen und Reaktionen auf andere. Im Prinzip ähnelt es dem Schreiben einer Geschichte, eines Buches zumeist in der Auktorialen Erzählperspektive. Nur dass man halt nicht alleine schreibt, sondern mit anderen, ohne deren Handlungen selbst aus zuschreiben. Ich betreibe im Moment zwei Foren, die ich euch bald vorstellen werde.

New Paths of Dragon Age
Transylvanian Legends

Verdunkelung

Eine Sturmböe schlug gegen das Holzhaus, die Gläser in der alten Vitrine erzitterten unter ihrer Wucht und weckten ihn aus seinem traumlosen Schlaf, den namenlosen Wanderer, mit dem zotteligen Bart. Doch der Böe war es egal, gnadenlos pfiff sie durch die schmalen Spalten zwischen den mit Holzbrettern zugenagelten Fenstern und linste so in die verwahrloste Zuflucht, die der Wanderer sich gesucht hatte. Es war dunkel, das spärliche Licht vom fast erloschenen Feuer, reichte kaum bis in die Mitte des Raumes und auch Draußen auf den Feldern, die die Blockhütte umgaben, war es finsterste Nacht. Ein Funke flog davon und verdunkelte sich noch schneller als er entstanden war. Den Wanderer interessierte es nicht, vielmehr stand er auf, um ein paar Holzstücke, die einmal zu einem Stuhl gehört hatten, welcher unter seinem Gewicht zusammengebrochen war, in das Feuer zu werfen und es so erneut zu entfachen. 

 

„Alter Mann, Du solltest schlafen“, krächzte es in seiner Nähe. Der Wanderer blickte in die Richtung, aus der die Stimme kam und brummte etwas Unverständliches. Ein Rabe, sein ewiger Begleiter, während er der Schweigsame war, galt sein gefiederter Freund als unheimlich geschwätzig. „Ach alter Mann, erzähl es mir noch mal, wie die Verdunkelung begann, erzähl mir von der alten Mär. Du willst doch schnitzen oder? Dann kannst Du mich genauso nebenbei unterhalten …“, plapperte das Federvieh munter drauf los, bis der Wanderer den nächst besten Gegenstand ergriff und entnervt nach ihm warf. „Krah …“, krächzte es laut und der Vogel flatterte aufgeregt in eine andere Ecke des Raumes, dem Gegenstand gerade so entkommen. „Das war nicht sehr nett, aber ist ja gut, ich bin schon ruhig.“ Beleidigt durch und durch, verbarg er seinen Schnabel unter seinem Gefieder, das so schwarz wie der Himmel des Nachts war und im Lichtschein matt glänzte. Er war ein eitler Vogel, der Rabe, aber das durfte er auch sein, denn er war klug und schön dazu. Der alternde Mann ließ sich im Schneidersitz auf dem Boden nieder, die stätige Wanderschaft hatte ihn sehr agil gehalten, zog seine Tasche, die er beim Betreten der Räumlichkeiten gefunden hatte, heran und kramte darin, bis er gefunden hatte, was er suchte. Mit Dolch und einem Stück jungen Kirschholzes, machte er sich ans Werk. Er fixierte aus warmen bernsteinfarbenen Augen den Raben, welcher zwischen den schwarzen Federn neugierig hervorlugte, sich aber nicht wagte, den Schnabel aufzumachen. 

 

„Es begab sich vor sehr langer Zeit. Damals war ich noch ein junger Bursche, ungestüm und voller Tatendrang.“ „Du warst mal jung?“, tönte es und der Rabe kassierte dafür einen bitterbösen Blick. „Soll ich die Geschichte nun erzählen oder nicht?“ Das Federkleid zuckte, der Rabe war leise, eingeschüchtert, denn sein Begleiter hatte ja recht. „Wir befanden uns im Krieg, Hungersnot und der Schwarze Tod plagten die Bevölkerung. Keiner wusste so richtig, wohin das nun führen sollte, alle wollten, dass es endete und das alles nur, weil ein Eheversprechen nicht eingelöst wurde. Wie ich die edlen Herrschaften damals gehasst haben. Und doch habe ich für sie das Schwert geschwungen. Viele junge Männer haben in diesem Krieg gekämpft und ihr Leben verloren. Es war schrecklich, doch war ein Ende in Sicht? Nicht wirklich! Im Gegenteil, es kündigte sich gerade die nächste große Welle an. Unser Königreich, das Königreich des Westens drohte überrollt zu werden.“ Eine Gedankenpause ließ den alten Mann aufsehen, dessen Augen trüb waren. Die Art wie er das Holz in seiner Hand berührte, verriet seine Blindheit, das Überbleibsel des Krieges. Doch manchmal schien es, als könnte er einen doch sehen, wo sein Blick doch auf einem lag. „Inmitten der größten Schlacht, die man sich vorstellen kann, geschah es dann. Ein Unwetter zog herauf und tauchte beide Lager in Dunkelheit. Zuerst bemerkten wir es nicht, denn der Kampf um Leben und Tod hatte uns voll im Griff. Doch dann begann es heftig zu winden, so verheerend, dass die Leichtesten von uns den Halt verloren und mehrere Fuß weit über den von Blut durchtränkten Boden schlitterten. Regen setzte ein und prasselte in voller Wucht auf uns hernieder, peitschte uns ins Gesicht, sodass zu sehen unmöglich geworden war. Nur wenige vernahmen die Rufe des Rückzuges, so gewaltige Ausmaße hatte die Wetterfront, deren Ausmaße kaum zu überschauen waren.“ 

„An meiner Seite vernahm ich Gebete an unsren Herrn und begann auch selber das Vater unser zu beten. Wir waren seinem Zorn schutzlos ausgeliefert.““Einer schrie: ‚Ich hab’s euch ja gesagt. Ich habe es gesagt!‘, doch fragte sich in diesem Sturm keiner so recht, was er meinte, viel eher fragten wir uns, womit wir das Ganze verdient hatten, doch eigentlich wussten wir es zu gut, es war die Strafe für die letzten fünf Jahre des Blutvergießens.“

 

 [… Fortsetzung folgt!]

Zeitraffer

Manchmal wünschte ich mir die Zeit zurückdrehen zu können, auf einen Punkt, wo das, was es mir vermasselte, noch nicht die Zeit durchdrungen hat. Allerdings frage ich mich dann, ob das, was sich dadurch verändern würde, so sehr von dem was gut ist und sein sollte, abweicht, dass ich mir erneut wünsche die Zeit zurück zu drehen. Wie ich es drehe und wende, es bleibt mir nichts weiter übrig als Voraus zu blicken und Vergangenes vor Augen zu behalten, mich davon aber nicht verrückt machen zu lassen.

Der Grund, weswegen ich dieses Thema Fixpunkt, als Startpunkt und Ende des Blogs setze, begründet sich darauf, dass Ende Februar der Server auf dem all meine Daten lagen, gehackt wurde und ich zwar ein Backup einspielen könnte, es doch aber nur der Versuch wäre, die Zeit zurück zu drehen, was sich einfach nicht richtig an fühlt. Und so beginne wir von Neuem, es kann nur besser werden oder was meint ihr?